Therapien im Detail

An dieser Stelle möchten wir die verschiedenen Therapien und Abläufe näher erläutern. Erklären, warum manches notwendig und wirksam und vieles unterstützend und hilfreich ist.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen beschreiben die Störung der zentralen Verarbeitung auditiver Stimuli bei intaktem peripherem Hören. Die betroffenen, beeinträchtigten Ebenen, die den Schallreiz weiterleiten, gehören zu dem zentralen Hörsystem. Es existieren 8 verschiedene Fähigkeiten bzw. Funktionen, die betroffenen sein können. Bei der Verarbeitung gehörter Stimuli (Reize) sind immer mehrere Teilfunktionen beteiligt. Dies sind die 8 zentral-auditiven Teilfunktionen:

  • Aufmerksamkeit
    „Der Bereich der Aufmerksamkeit umfasst die Fähigkeit, sich – in diesem Fall auditiven Stimuli zuzuwenden und diese bewusst wahrzunehmen.“ Es gibt die drei verschiedene Komponenten „generelle Wachheit oder Aktivierung“, „selektive Aufmerksamkeit“ und „Vigilanz“, aus denen sich die Aufmerksamkeit zusammensetzt. (Lauer)

 

  • Speicherung und Sequenz
    „ Die Fähigkeit auditive Stimuli kurzfristig im Gedächtnis zu speichern wird als Speicherung oder auditive Merkspanne bezeichnet. Bei der Teilfunktion Sequenz handelt es sich um die z.T. auch als Raumlagefixierung bezeichnete Fähigkeit, die richtige Reihenfolge auditiver Stimuli zu erfassen.“ (Lauer, 2014, S. 13)Beispiel: Der Therapeut gibt dem Kind in angemessener Anzahl und entsprechendem Tempo Laute, Silben, Wörter oder Geräusche vor, die keinen inhaltlichen Bezug haben. Die Stimuli müssen sich in der richtigen Reihenfolge und Anzahl vom Kind gemerkt und wiedergegeben werden.

 

  • Lokalisation
    „Die Lokalisation ist die Fähigkeit, die Richtung und Entfernung auditiver Stimuli festzustellen.“ (S. 13)
    Beispiel: Der Therapeut positioniert zwei Schallquellen von denen Geräusche abgespielt werden, ohne dass das Kind die Schallquellen sieht. Das Kind muss im Nachhinein die Entfernung und Richtung der Schallquelle bestimmen.

 

  • Diskrimination
    „Die Diskrimination bzw. Differenzierung ist die Fähigkeit, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen auditiven Stimuli, insbesondere Sprachlauten, zu erkennen.“ (S. 14)
    Beispiel: Der Therapeut spricht zwei Silben vor, die sich nur minimal, durch einen Laut unterscheiden. Das Kind muss dies hören und dem Therapeuten rückmelden.

 

  • Selektion
    „Die Selektion, die auch als Figur-Hintergrund-Unterscheidung bezeichnet wird, beinhaltet die Fähigkeit zur Unterscheidung bedeutungsvoller Informationen von Umgebungsgeräuschen.“ (S. 14)
    Beispiel: Der Therapeut spielt mittels Computer Hintergrundgeräusche (z.B. ein Gespräch) ein und gibt dem Kind Laute etc. vor, die er trotz Störgeräusch heraushören muss.

 

  • Analyse
    „Die Fähigkeit, einzelne Elemente aus einer komplexen akustischen Gestalt herauszulösen, wird Analyse bzw. Identifikation genannt. Bezogen auf verbale Stimuli handelt es sich um das Extrahieren von Einzellauten oder Silben aus Wörtern oder von Wörtern aus Sätzen.“ (S. 14)
    Beispiel: Der Therapeut gibt ein Wort vor. Das Kind muss die ersten beiden Laute eines Wortes heraushören und einzeln nennen können.

 

  • Synthese
    „Die Synthese beinhaltet die Fähigkeit, aus einzelnen Elementen eine komplexe akustische Gestalt zusammenzusetzen. Lautsprachlich ist hiermit im Wesentlichen die Bildung eines Wortes aus Einzellauten gemeint.“ (S. 14)
    Beispiel: Der Therapeut gibt einzelne Laute in richtiger Reihenfolge und mit kurzen Pausen vor, die das Kind zu einem Wort zusammenfügen muss.

 

  • Ergänzung
    „Mit dem Begriff Ergänzung wird die Fähigkeit bezeichnet, fragmentarische Wörter zu sinnvollen Informationen zu vervollständigen.

 

Ursachen für eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung können Hirnreifungsverzögerungen, frühkindliche Hirnschädigungen und chronische Mittelohrentzündungen sein. Begünstigende Umwelteinflüsse können ein Unter- (wenig Kommunikation) oder Überangebot von gehörten Sprachreizen (Radio oder Fernseher läuft bei Gesprächen nebenher) sein. Etwa 2 – 3 % aller Kinder sind von einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung betroffen. Das Verhältnis Jungen/ Mädchen beträgt 2 zu 1.

Therapie:

In der Therapie der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) werden in chronologischer Reihenfolge (wie hier aufgelistet) die 8 Fähigkeiten therapiert. Die Basis jeglicher Therapie stellt die ausreichende Fähigkeit zur Aufmerksamkeit dar. Es gibt die Möglichkeit zur Gruppen- und Einzeltherapie. Die Entscheidung für eine Alternative leitet sich von den individuellen Voraussetzungen des Kindes ab.

Literatur:

Lauer, Norina (2014). Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung im Kindesalter. Leimen: Thieme.
O.A. (o.D). Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. http://www.dbl-ev.de; Thema Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

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